Pressemeldung vom 07.05.2024

ifo-Studie: Corona-Wirtschaftshilfen erreichten betroffene Branchen umfassend

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Die Corona-Überbrückungshilfen haben in Bayern vor allem viele kleine Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten und in den besonders durch die Pandemie betroffenen Branchen erreicht. Zu diesem Ergebnis kommt das ifo Institut in einer ersten Auswertung der Hilfen im Auftrag der IHK für München und Oberbayern. Sieben Förderprogramme mit Auszahlungen in Höhe von 11,2 Milliarden Euro aus über 300.000 Anträgen wurden ausgewertet.

IHK-Chef Gößl: „Staatliche Hilfen für Betriebe in Notlagen waren wirksam“

Das meiste Geld bekamen Unternehmen aus dem Gastro- und Hotelgewerbe, das zu den am meisten von den Schließungen betroffenen Branchen gehörte. Sie erhielten 40 Prozent der Summe oder 4,7 Milliarden Euro. Es folgte der Einzelhandel mit 1,6 Milliarden Euro und die Kunst- und Kulturbranche mit einer Gesamtsumme von 1,3 Milliarden Euro.

Insgesamt wurden rund 130.000 Unternehmen mit den Überbrückungshilfen unterstützt, da Firmen mehrere Anträge für verschiedene Programme und Zeiträume stellen konnten. Rund ein Drittel der geförderten Unternehmen bekam Leistungen aus einer Überbrückungs­hilfe, ein knappes weiteres Drittel aus zwei Überbrückungshilfen. Anträge für alle sieben betrachteten Corona-Zuschüsse stellten nur 2 Prozent der unterstützten Unternehmen. Die durchschnittliche Gesamtsumme je Unternehmen lag bei 86.000 Euro. Allerdings erhielt nur ein Siebtel der Unternehmen mehr als 100.000 Euro. Die Hälfte der geförderten Unternehmen bekam dagegen insgesamt weniger als 14.500 Euro.

Mit den untersuchten Corona-Wirtschaftshilfen wurden im bayerischen Gastgewerbe 38.000 Unternehmen und damit nach ifo-Berechnung 98 Prozent aller Betriebe dieser Branche erreicht. Sie erhielten im Durchschnitt 126.000 Euro. In der Kunst- und Kulturbranche erhielten mit fast 14.000 Unternehmen rund 80 Prozent der Firmen Unterstützung, mit einer Durchschnittssumme von 97.000 Euro. Im Handel bezogen rund 18.000 Betriebe, ein Fünftel aller Unternehmen, die betrachteten Corona-Hilfen – im Schnitt 87.000 Euro. In allen anderen Branchen ist der Anteil der geförderten Unternehmen deutlich geringer.

Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, sagt: „Die Zahlen zeigen eine gute Wirksamkeit der Hilfen in den betroffenen Branchen. Die Programme haben offensichtlich angemessen zeitlich und saisonal auf den Pandemieverlauf reagiert und damit die Liquidität der Betriebe in Notlagen gesichert.“

Da zusätzlich auch andere Hilfen für Unternehmen zur Verfügung standen, darunter Steuerstundungen, Kreditbürgschaften, der Wirtschaftsstabilisierungs- und Bayernfonds sowie erweiterte Möglichkeiten für die Kurzarbeit, seien laut ifo allerdings weitere Betrachtungen nötig, um die Wirkung aller Corona-Hilfen ex post zu analysieren. Wettbewerbsverzerrungen könnten vor allem in Branchen auftreten, in denen nur wenige Unternehmen gefördert wurden, erläutert Oliver Falck, Mitautor der Studie und Professor für Volkswirtschaftslehre sowie Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien.

Die IHK hat als Bewilligungsstelle die Anträge der Unternehmen aus dem ganzen Freistaat für die Überbrückungshilfen I, II, III, III Plus und IV sowie die November- und Dezemberhilfen bearbeitet und dem ifo für die wissenschaftliche Analyse anonymisierte Datensätze zur Verfügung gestellt. Die ebenfalls von der IHK administrierten Neustarthilfen für Soloselbstständige, die bayerische Oktoberhilfe sowie Härtefallprogramme blieben außen vor. Insgesamt hatte die IHK in der Antragsphase in den Jahren 2020 bis 2023 im Rahmen von 14 Förderprogrammen rund 445.000 Anträge erhalten und 11,9 Milliarden Euro ausbezahlt.

Die ifo-Studie steht hier zum Download zur Verfügung.