Infos zu Sachverständigen - was sind sie, was tun sie?
Was sind Sachverständige? Welche Voraussetzungen müssen sie erfüllen? Was tun Sachverständige? Wann brauchen Unternehmen Sachverständige?
Was sind Sachverständige?
Sachverständige sind Spezialisten bei Wirtschaftsthemen in vielen Bereichen der Industrie, im Handwerk, auf psychologisch-pädagogischem Gebiet oder bei medizinischen Fragen. Wichtig für die Tätigkeit von Sachverständigen ist eine umfassende Sachkenntnis in Beruf und Aufgabenfeld. Sachverständige müssen Sachverhalte klären, Feststellungen treffen und diese an andere Personen vermitteln. Sie benötigen daher ein ausgeprägtes Beurteilungsvermögen sowie kommunikative Kompetenzen.
Wie werden Sachverständige bestellt und vereidigt?
Die öffentliche Bestellung und Vereidigung von Sachverständigen gehört in Bayern zu den Aufgaben der Industrie- und Handelskammern und der Handwerkskammern. Mit der Betreuung von rund 750 öffentlich bestellten Sachverständigen ist die IHK für München und Oberbayern deutschlandweit führend auf diesem Gebiet.
Allein der Begriff des Sachverständigen ist in Deutschland nicht gesetzlich geschützt. Anders verhält es sich bei öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen. Für die öffentliche Bestellung als Sachverständige müssen Bewerber in einem anspruchsvollen Verfahren ihre ausgeprägte Sachkunde sowie ihre umfassende Eignung nachweisen.
Sachverständige finden ihre Aufgaben
- als Gerichtsgutachter oder Parteiberater in Gerichtsverhandlungen
- bei der Klärung von Schadenshergängen und Schadensursachen
- in der Begutachtung von Beschädigungen
- in der Bestimmung von Schadenshöhen und Entschädigungen
- im Rahmen der Dokumentation bestimmter Zustände für Beweiszwecke
- bei der Prognostizierung von Entwicklungen
- bei der außergerichtlichen Klärung von Auseinandersetzungen
- in der Bewertung von Vermögensgegenständen und Immobilien
- als neutrale und fachlich kompetente Berater.
Bei der Suche und der Auswahl des richtigen Sachverständigen sind Verzeichnisse bei den Wirtschafts- und den berufsständischen Kammern wie der IHK oder der Ärztekammer hilfreich.
Das müssen IHK-Sachverständige wissen und beachten
Rechte und Pflichten öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger sowie die allgemeinen Voraussetzungen für ihre öffentliche Bestellung regelt die von der Vollversammlung der IHK München beschlossene Satzung über die Bestellung und Vereidigung von Sachverständigen, kurz Sachverständigenordnung (SVO). Neben der Kenntnis ihrer Informationspflichten und dem Vorhandensein geforderter persönlicher Voraussetzungen müssen Sachverständige mit dem Aufbau und den erforderlichen Inhalten eines schriftlichen Sachverständigengutachtens vertraut sein.
Sachverständige agieren weisungsfrei und unabhängig. Ihre Aufgaben erfüllen sie unparteiisch und gewissenhaft. Sie gehen keine Verpflichtung ein, die ihre Beurteilungen verfälschen könnten.
Bei der Erstellung der Gutachten berücksichtigen Sachverständige den aktuellen Stand der Wissenschaft und Technik. Öffentlich bestellte Sachverständige dürfen sich nicht dem Verdacht einer Befangenheit aussetzen. Daher ist es nicht erlaubt, Gutachten in eigener Sache sowie für den Arbeitgeber oder Dienstherrn zu erstellen.
Auch nach der Erstellung des Gutachtens darf der Sachverständige sich nicht im Zusammenhang mit den begutachteten Objekten wirtschaftlich betätigen.
Erhält ein IHK-Sachverständiger den Auftrag zur Erstellung eines Gutachtens, kann er die Übernahme nur aus wichtigem Grund ablehnen. Sachverständige unterliegen auch nach dem Auftragsverhältnis einer Schweigepflicht über Erkenntnisse, die sie im Rahmen ihrer Tätigkeit erlangen. Zu den Pflichten eines Sachverständigen gehören außerdem der regelmäßige Besuch von Fortbildungen und die Pflege eines Erfahrungsaustauschs mit anderen Fachleuten.
Informationspflichten für öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige
Zu den Pflichten der öffentlich bestellten Sachverständigen gehören insbesondere Informationspflichten gegenüber ihren Auftraggebern, wie
- Angaben über das Telemediengesetz beim Angebot von Leistungen im Internet
- Familien- und Vorname sowie Firma mit Rechtsform
- Anschrift der Niederlassung
- elektronische Kontaktdaten (Telefon, Fax, E-Mail)
- Nennung des Registergerichts und der Registernummer, wenn der Sachverständige oder sein Unternehmen in ein Register eingetragen sind
- Nennung der zuständigen Kammer mit Namen und Anschrift
- die Bezeichnung „öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger“ mit Angabe des Sachgebiets
- falls vorhanden, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen
- Vertragsklauseln zum anwendbaren Recht und Gerichtsstand
- wesentliche Merkmale der angebotenen Dienstleistung in Form einer Beratung, eines Gutachtens, einer Mediation oder einer Rechtsdienstleistung
- Name und Anschrift der Berufshaftpflichtversicherung
- Datenschutzerklärung
- Umsatzsteuer-Identifikationsnummer.
Weitere Einzelheiten finden Sie im Merkblatt "Informationspflichten für öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige“.
Aufbau eines schriftlichen Sachverständigengutachtens
Die Gutachten eines öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen müssen bereits bei der Antragstellung und damit vor der öffentlichen Bestellung hohe Anforderungen erfüllen. Dazu gehört folgender systematischer Aufbau:
- Deckblatt mit allgemeinen Angaben und Aufgabenstellung
- eine umfassende Dokumentation der Daten mit Skizzen und Fotografien
- die sachverständige Beantwortung der Fragestellung
- eine Zusammenfassung mit Unterschrift und Rundstempel des Sachverständigen.
Mehr Details im Merkblatt "Empfehlungen zum Aufbau eines schriftlichen Sachverständigen-Gutachtens".
Qualifizierung für außergerichtliche Konfliktlösungen
Öffentlich bestellte Sachverständigen werden aufgrund Ihrer Expertise und Zuverlässigkeit gerne als Mediator, Schiedsgutachter oder Schlichter beauftragt.
Im Zusammenhang mit der Tätigkeit als öffentlich bestellter Sachverständiger ist es in vielen Sachgebieten sinnvoll, eine Zusatzqualifikation als Mediator zu erwerben. Mit dem Fachwissen, ihren Erfahrungen und den Arbeitsabläufen eines Sachverständigen lassen sich außergerichtliche Konfliktlösungen oft gut kombinieren. Gelegentlich bietet sich auch eine Zusammenarbeit mit einem Mediator eines anderen Berufsstandes als Co-Mediator an.
Sowohl als Schiedsgutachter wie auch als Mediator tragen Sachverständige mit Zusatzqualifikation zu einer gütlichen Einigung bei Unstimmigkeiten über Bewertungsfragen oder technischen Streitfällen bei. Auf diese Weise helfen sie, langwierige und teure Gerichtsverfahren zu vermeiden. Sie unterstützen zudem die Streitparteien dabei, ihre bis dahin guten Geschäftsbeziehungen aufrecht zu erhalten. Mediatoren vermitteln in Streitigkeiten und begleiten die Streitparteien auf dem Weg zu einem für beide Seiten befriedigenden Kompromiss. Während im Rahmen einer Mediation die Parteien selbst eine Lösung erarbeiten, führt der Schiedsgutachter mit seinem Gutachten eine verbindliche Klärung herbei.
Weitere Informationen erhalten Sie auch in unserem Merkblatt.
Wo finde ich weitere Infos zur Tätigkeit als Sachverständiger?
Wer als Sachverständiger arbeitet, braucht praxisnahe Arbeitshilfen. Für alle relevanten Themen rund um Sachverständigenrecht- und praxis finden Sie entsprechende Publikationen – von der richtigen Vertragsgestaltung über die Durchführung einer Ortsbesichtigung bis hin zur Haftung.
In diesen Fachzeitschriften können Sie sich sachgebietsübergreifend über neueste Entwicklungen im Sachverständigenwesen informieren:
- Die Sachverständigen – Fachzeitschrift für Sachverständige, Kammern, Gerichte und Behörden (Beck-Verlag)
- IfS-Informationen (Institut für Sachverständigenwesen)
Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Fachzeitschriften, die sich gezielt an Sachverständigen mit einem bestimmten Sachgebiet richten.
Über das Institut für Sachverständigenwesen (IfS) e.V. erhalten Sie einen Überblick über Publikationen.
Als weitere Informationsquelle hat die IHK für München und Oberbayern ein Glossar erarbeitet, in dem die für Sachverständige und Richter wichtigsten fachübergreifenden Wert- und Kostenbegriffe einheitlich definiert sind.
FAQ über Sachverständige
Sollen wichtige Entscheidungen auf einer fachlich fundierten Basis getroffen werden und der eigene Sachverstand reicht für die Beurteilung nicht aus, kann ein öffentlich bestellter Sachverständiger die Entscheidung erleichtern. Das trifft insbesondere auf die Beurteilung und Bewertung von Mängeln oder Schäden zu. Für die Ermittlung einer Schadensursache ist ebenfalls häufig ein außergewöhnlicher Sachverstand notwendig. Sollen Gebäude, Grundstücke, Unternehmen oder andere Vermögenswerte bewertet werden, führt die Einbeziehung eines Sachverständigen zu einem zuverlässigen Ergebnis. Ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger bietet die Gewähr für eine unabhängige Feststellung von Tatsachen im Rahmen der Beweissicherung. In Auseinandersetzungen über Honorare, Vergütungen, Preise oder spezielle Eigenschaften können Sachverständige eine Einigung zwischen den Streitparteien herbeiführen und so gerichtliche Auseinandersetzungen vermeiden. In Gerichtsverfahren sind Gutachten von öffentlich bestellten Sachverständigen oft unersetzlich.
Eine Honorarordnung, die Tarife für die Tätigkeiten von Sachverständigen vorgibt, existiert nicht. Die Kosten der Sachverständigen richten sich bei privater Auftragserteilung nach freier Vereinbarung zwischen ihm und dem Auftraggeber. Üblich sind Stundensätze zwischen 100 und 250 Euro, abhängig vom Sachgebiet. Dem Sachverständigen gegenüber haftet der Auftraggeber für die Zahlung des Honorars. Das Honorar für die Erstellung von Schiedsgutachten teilen die Streitparteien i.d.R. untereinander auf.
Erstellen Sachverständige Gerichtsgutachten, richtet sich ihre Vergütung nach dem Justizvergütungs- und Entschädigungsgesetz. Neben dem Ersatz der Aufwendungen sieht das Gesetz Stundensätze von 50 bis 95 Euro je nach Sachgebiet vor, wobei diese Stundensätze bei Berufssachverständigen auf Antrag noch erhöht werden kann
Die Industrie- und Handelskammer als bestellende Institution ist die Aufsichtsbehörde für die öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen. Im Rahmen ihrer Aufsicht prüft die Kammer, ob der Sachverständige seine nach der Sachverständigenordnung bestehenden Pflichten verletzt hat. In diesem Rahmen erhält der Sachverständige Gelegenheit zur Stellungnahme. Bei Bedarf wird ein Fachgremium oder ein Vertrauenssachverständiger eingeschaltet und gibt eine Einschätzung ab.
Während eines laufenden Gerichtsverfahren ist ausschließlich das Gericht für Einwendungen und Beschwerden über einen Sachverständigen zuständig. Das Beschwerdeverfahren bei der IHK kann daher erst nach rechtskräftigem Abschluss des Gerichtserfahrens eingeleitet werden. Stellt sich heraus, dass die Beschwerde berechtigt ist, kann die Industrie- und Handelskammer aufsichtsrechtliche Maßnahmen ergreifen. Dazu gehören u.a.
- Erörterungs- und Belehrungsgespräche
- Rügen
- Anordnung einer erneuten fachlichen Überprüfung oder Vorlage von weiteren Gutachten
- Entzug der Bestellung.
Der Beschwerdeführer erhält keine Auskunft über die Einzelheiten und Ergebnisse der fachlichen Überprüfung des Sachverständigen.