Veranstaltung

International Tech Talks - Artificial Intelligence in Bavaria and Northern Europe

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Am 2. April, drehte sich in der IHK für München und Oberbayern alles um Künstliche Intelligenz und digitale Innovation: Rund 200 Gäste kamen zu den erstmals stattfindenden "International Tech Talks". Mit Fokus auf Nord-Europa und Bayern förderte die Veranstaltung den Austausch zwischen KI-Experten aus Bayern, Skandinavien sowie dem Baltikum. Das Event fand in Kooperation mit den fünf deutsch-nordeuropäischen Auslandshandelskammern (Baltikum, Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden) statt.

"International Tech Talks": Ein erfolgreicher Schritt in die Zukunft der Künstlichen Intelligenz

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Prof. Dagmar Schuller, Vizepräsidentin der IHK München

Die Veranstaltung wurde von Prof. Dagmar Schuller, der Vizepräsidentin der IHK für München und Oberbayern, eröffnet. In ihrer Begrüßungsansprache betonte sie die Bedeutung von Allianzen, Bündnissen und Partnerschaften, um im globalen Wettbewerb um Künstliche Intelligenz an der Spitze zu bleiben. "Nur gemeinsam können wir strategische Vorteile und eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit in der Technologiebranche sichern", erklärte Schuller und zog dabei eine klare Verbindung zwischen Bayern und Nord-Europa als Vorreiter im Bereich der KI.

Neben internationaler Zusammenarbeit wurde auch die digitale Situation bayerischer Unternehmen thematisiert. Laut einer aktuellen IHK-Studie stagniert deren Digitalisierungsgrad – besonders Transport und Handel haben Nachholbedarf, während Finanz- und IT-Branchen weiter sind. Dennoch steigt der Einsatz von Künstlicher Intelligenz seit 2020 spürbar: Unternehmen nutzen KI vor allem zur Content-Erstellung, im Kundenservice und zur Prozessoptimierung. Trotz bürokratischer Hürden und Vorurteilen in Deutschland zeigt sich: KI wird zunehmend als Schlüsseltechnologie erkannt.

Mit Formaten wie den "International Tech Talks" möchte die IHK für München und Oberbayern hier wichtige Impulse für digitalen Fortschritt und grenzüberschreitendes Lernen setzen.

Keynotespeakerin Andrea Martin: Von den Anfängen von IBM bis zur KI-Ära

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Andrea Martin, IBM

Andrea Martin, CTO Ecosystem & Associations DACH und Leiterin des IBM Watson Center in München, eröffnete ihre Keynote mit einem Rückblick auf die Entwicklung von IBM – von den ersten Maschinen zur Verarbeitung von Fleisch- und Wurstwaren im 19. Jahrhundert über Hybrid Cloud und Quantencomputer bis hin zur heutigen generativen KI-Plattform WatsonX. Ihr zentraler Punkt: "Es gibt keine AI ohne IA (Information Architecture), denn Daten sind die Grundlage jeder Künstlichen Intelligenz."

Die weltweite Einführung von KI verläuft sehr unterschiedlich: Länder wie Singapur, Indien und die VAE sind führend, während Deutschland laut IBM AI Adoption Index und Bitkom-Studie zurückliegt. Interessanterweise sind die USA in diesem Ranking gar nicht so weit vorne, wie erwartet. 64 % der deutschen Unternehmen nutzen KI nicht, 22 % fühlen sich bereits abgehängt. Skandinavische Länder sind weiter – dort experimentieren 70 % der Firmen aktiv mit KI. Martin betonte, dass Deutschland nicht führend sein müsse, sich aber auf industrielle Anwendungen konzentrieren sollte, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Ein zentrales Problem: Unternehmensdaten werden kaum genutzt, obwohl sie für KI-Training entscheidend sind. Vertrauen, Transparenz und ethische Prinzipien wie Datensouveränität und Erklärbarkeit sind laut IBM essenziell. Ohne diese drohen diskriminierende KI-Systeme. Andrea Martin hob hervor, dass nicht KI selbst, sondern ihre Anwendungen reguliert werden sollten. Erfolg erfordert Partnerschaften, Akzeptanz des Wandels und Experimentierräume.

Zum Abschluss wurden fünf KI-Trends für 2025 vorgestellt: agentenbasierte KI, langfristige Investitionen, Bedeutung von Datenstandorten, steigende IT-Budgets mit neuen Finanzierungsmodellen und der Bedarf klarer KI-Strategien in Unternehmen.

Die Keynote von Andrea Martin machte deutlich: Die Einführung von KI steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen, birgt aber enorme Potenziale. Unternehmen müssen jetzt handeln, um den Anschluss nicht zu verlieren. Ihr abschließender Appell: KI bietet zahlreiche Chancen – die Risiken sind beherrschbar. Jetzt ist die Zeit, aktiv zu werden und gemeinsam die Zukunft zu gestalten!

AI up North: Aktuelle Entwicklungen und Markttrends in Nordeuropa

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Von links: Andreas Wenzel (AHK Dänemark), Kristina Schmidt (AHK Norwegen), Malin Johansson (AHK Schweden)

Im Anschluss an die Keynote widmete sich die nächste Session den aktuellen Entwicklungen und Markttrends im Bereich Künstliche Intelligenz in den nordischen Ländern. Vertreterinnen und Vertreter der Auslandshandelskammern (AHKs) gaben Einblicke in die Fortschritte und Besonderheiten ihrer Länder.

In Schweden steht die Zusammenarbeit im Zentrum der digitalen Transformation. Der öffentliche Sektor ist hier Hauptabnehmer von KI-Lösungen, rund 2.000 Mitarbeitende arbeiten an der Entwicklung digitaler Assistenzsysteme. Wichtige Einsatzbereiche sind die medizinische Diagnostik und der Verteidigungssektor. Innovation beginnt in Schweden oft mit der Frage nach konkreten Problemen – entsprechend lautet der Leitsatz: "All solutions start with a problem."

Dänemark setzt auf KI zur Modernisierung seiner Verwaltung. Digitale Prozesse und Effizienz stehen im Vordergrund – etwa im Gesundheitsbereich, insbesondere in der Krebsforschung. Ein Highlight ist der 2024 in Betrieb genommene Supercomputer "Gefion", der allen Bürgerinnen und Bürgern offensteht und so eine breite Teilhabe an der KI-Entwicklung ermöglicht. Das Motto: "AI the Danish way – forward-looking, human-centered and democratic.“"

Norwegen profitiert von einer ausgeprägten Vertrauenskultur, die das Land zu einem idealen Testmarkt für neue Technologien macht. Besonders in der maritimen Industrie, der Energiewirtschaft sowie im öffentlichen Sektor wird KI zunehmend eingesetzt. Mit Blick auf die Zukunft soll der Exportanteil jenseits der Ölindustrie bis 2030 auf 50 % steigen – ein Ziel, bei dem KI eine Schlüsselrolle spielt.

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Von links: Dominic Otto (AHK Baltikum), Dr. Jan Feller (AHK Finnland)

Das Baltikum zeigt, wie digitale Verwaltung, Cybersicherheit und innovative Technologien das tägliche Leben erleichtern können. In Estland, Lettland und Litauen sind fast alle Behördengänge digital möglich. Smart Mobility, autonome Busse und eine starke Verteidigungsindustrie prägen das Bild. Vertrauen in Technologie und Offenheit für KI sind hier zentrale Treiber der Digitalisierung.

Finnland schließlich gilt als versteckter Champion: Das Land führt laut mehreren EU-Studien in der Anwendung von KI. Viele deutsche Unternehmen testen ihre Lösungen dort, denn die Innovationskultur ist offen und praxisorientiert. Finnland setzt KI unter anderem in der Justiz und der Energiewirtschaft ein, unterstützt durch Europas schnellsten Supercomputer. Das Land beweist, dass strategische Anwendung und technologischer Fortschritt Hand in Hand gehen können

Breakoutsessions

Alle Präsentationen aus den Breaktoutsessions finden Sie im Downloadbereich (Desktopversion: oben rechts, Mobile Ansicht: unten)

Start-up Pitches

Während des Networkings bekamen sechs Startups die Möglichkeit, mit einem zweiminütigen Pitch auf sich aufmerksam zu machen. Folgende Startups waren dabei:

  • CertHub
  • exomatter
  • cleverwatt
  • Karevo
  • Optiwiser A.I. Solutions
  • klugidu

Bildergalerie